Memorandum
Hier auf einen Blick der Pressespiegel und andere Beiträge zum Memorandum (wird weiter ergänzt)
Das in Gehirn&Geist erschienene Memorandum ist hier verfügbar. Für die FAZ ist das Memorandum eine Kampfansage an die seelische Gesundheit; der Tagesspiegel berichtet sachlich nüchtern; die Stuttgarter Zeitung ist immerhin bemüht, ein paar Argumente wiederzugeben; Stephan Schleim sucht bei Telepolis nach vermeintlichen Inkohärenzen; in den Science Blogs folgt der ganz pfiffigen Überschrift “Gehirn & Geistloses” ein wenig geistreicher Beitrag, der wie die Süddeutsche Zeitung die Debatte mangels derzeitigem Nachweis enhancender Effekte für eine Phantomdebatte hält. Bemerkenswert anders und die gesellschaftskritischen Untertöne richtig einzuordnen weiß die ZEIT; die dpa Meldung gibt es bei Yahoo; Meldung der Financial Times Deutschland; Bericht in der FTD; die Berliner Zeitung Online berichtet ausgewogen; kurzer Bericht beim Stern mit anschließendem Interview mit S. Schleim (“Spiel mit dem Feuer”). Sehr kritisch der Kommentar im Handelsblatt…
3Sat Nano Interview mit Thorsten Galert – Bericht auf DeutschlandFunk hier; und natürlich das Bloggewitter von Gehirn & Geist mit einer Vielzahl von Beiträgen zum Thema.
NZZ “Auf demWeg zur Doping Gesellschaft?”
Der Spiegel “Wow, was für ein Gefühl”
Die Sendung Aspekte im ZDF v. 27.11.2009 griff das Thema auf; auch ARTE zeigte einen Beitrag, der allerdings Kokain, Amphetamine und Enhancements in einen Topf schmiss, um am Beispiel eines Kokainabhängigen alles zu verteufeln. Ähnlich KERNER, der das Thema direkt nach Veröffentlichung des Memorandums in einer Sendung am 16.11. aufgriff, zu Gast ein Betroffener, der dem Druck der Arbeitswelt ohne Medikamente nicht standhalten konnte. Er litt unter Angstzuständen, die er mit Travor bekämpfte. So ganz erschließt sich der Zusammenhang also nicht. Dafür ließ Kerner recherchieren, wie leicht die Stoffe durch Jammern beim Arzt zu beziehen sind. Der “immer 10 Jahre voraus denkende” Zukunftsforscher war da noch der beste (online Teil 1, Teil 2). Interessant: Die Schriftstellerin Kathrin Passig, Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin, bekennt sich offen zur Einnhame von Methylphenidat zum Schreiben und findet es Schade, dass sie nicht schon während des Studiums drarauf gekommen ist – Sollte man ihr den Bachmann Preis wegen Dopings aberkennen ?
Jungle World: No Dope, No Hope - Der Autor Quadfasel (eine von ihm verfasste Laudatio auf das Heroin hier) findet die Autoren des Memorandums unsympathisch, ich dagegen seinen Text ganz gut, jedenfalls ist er einer der geistreichsten Beiträge. Schön der Abschlußsatz: .. haarscharf verfehlen nur Praktiken wie das Gehirndoping die vielleicht einmal befreiende Wahrheit : wie unglaublich schwer es nämlich geworden ist, zu dem Bündel Naturprozessen, aus denen Körper und Geist sich zusammensetzen, überhaupt noch »Ich« zu sagen.
FAZ v. 6.1.2010: N. Langlitz – Das Gehirn ist kein Muskel
S. Schleim fragt, ob mehr Leistung immer etwas gutes sei – Telepolis 23.01.2010
U. Eibach: Geschöpf oder Schöpfer? (G&G April 2010) stellt die Frage, ob wir “mit dieser neu gewonnenen Freiheit von unserer Natur wirklich freier, glücklicher und vor allem menschlicher werden? Oder verlieren wir uns nicht selbst, wenn wir die Grenzen unseres Geschöpfseins stetig erweitern und schließlich zu unseren eigenen Schöpfern aufsteigen? Schon Nietzsche hat geahnt, dass der Mensch auf diese Weise zwar dem von einem Gott oder der Natur gefügten Schicksal entrinnt, aber letztlich nur ein noch unfreieres Opfer der von ihm hervorgebrachten Zivilisation wird. Er ist dann, nicht mehr dem Schicksal unterworfen, dafür aber den von ihm selbst erschaffenen ‘Machsalen’. Wahre Freiheit dagegen bewährt sich gerade in der Anerkennung von Grenzen: Sie besteht darin, auf das Machbare zu verzichten, anstatt sich die Natur immer weiter zu unterwerfen.”
Trota von Berlin: Neuro-Enhancement – Die unerträgliche Leichtigkeit des Arbeitens (01.04.2010)
Interview mit Bettina Schöne-Seifert: Zu viel Schwarzmalerei (Spektrum Wissenschaft Januar 2010)
Ein Beitrag der Reihe “Körperkult” im Deutschlandfunk (Ines Geipel) setzt sich mit dem Memorandum auseinander: “Enhancement” heißt das neue Zauberwort. Darunter versteht man in der Wissenschaft, technisch und psychopharmakologisch Leistungssteigerungen herbeizuführen. Die Schriftstellerin und frühere Spitzensportlerin Ines Geipel setzt sich seit Jahren kritisch mit dem körperlichen Optimierungswahn und der Effizienzgier auseinander. Hier nachzuhören (Ein Transkript der Sendung dort).
H.-B. Wuermeling stellt in der rechtsgerichteten Jungen Freiheit (sollte man die verlinken?) vom 12. 2. 2010 fest, dass durch das “Umtaufen” von Doping in Enhancement keineswegs der “Schmutz der Schmuddeldecke” abgewaschen werden könne, schließlich ginge es ja um das Manipulieren und Wettbewerbsvorteile “ergaunern”, und weil in der Wirtschaft “Fairneß” herrsche, sei Neuro-Enhancement ein Regelverstoß. Ausserdem würde im Memorandum nicht erörtert, ob sich der Einzelne nicht auch fair gegenüber sich selbst verhalten müsste. Nun denn - zumindest eine derartige Rechtspflicht gegen sich selbst wird man kaum begründen können. Darüberhinaus noch viel “Geschwurbel” und “abenteuerliche, ja gefährliche Schlußfolgerungen”…
Ein wegen Promotions- und anderer Krisen nur unregelmäßig gepflegter Blog über ethische und rechtliche Fragen, die durch die Neuro- und Biowissenschaften aufgeworfen werden und in meinen auditiven & visuellen Cortex gelangen. Hinweise, Kommentare und kritisch-kontroverse Gastbeiträge sind gern gesehen. 